elisabeth hahnke coach und trainerin

Die Kunst Veränderung zu bewirken

Ich bin jetzt 32. Neulich habe ich in den Spiegel geschaut und ein erstes weißes Haar entdeckt. Ich verändere mich, ob ich will oder nicht. Ich meine, ich habe nicht darum gebeten, dass sich Fältchen um meine Augen legen. Und doch, selbst wenn ich nichts aktiv tue: Veränderung geschieht in jedem Moment. Das ist ein unscheinbarer Satz. Einer, den man zu leicht als selbstverständlich nehmen könnte: So wie: „Ist ja eh klar!“ Aber für mich ist er einer der spannendsten und kostbarsten Sätze auf dieser Erde. Denn…wenn Veränderung ohnehin immer geschieht, welche Möglichkeiten haben wir dann, darauf einzuwirken? Was könnte alles möglich sein, wenn ich Veränderung bewirke, die

  • verbindet statt ausgrenzt
  • ermutigt statt verhindert
  • mehr Liebe ermöglicht, als noch mehr Angst?

Damit beschäftige ich mich seit 12 Jahren. Und ich will mit Ihnen heute teilen, welche Erfahrungen ich mit meiner großen Lehrerin „Veränderung“ erlebt habe – vor allem, was sie mich gelehrt hat.

Ich wurde drei Mal ins Leben geboren – von meiner Mama, meiner Schwiegermama und meiner Tochter. Alle drei haben den Kurs meines Lebens verändert.

Meine Mama steckte als Kind in sehr schwierigen Lebensumständen. Sie wusste schon als kleines Mädchen, dass sich das Leben so nicht aushalten lässt. Sie wusste wie gefährlich ein angstvolles Herz ist, denn das haben ihre Eltern ihr gezeigt. Die Atmosphäre in der sie aufwuchs, war geprägt von Gewalt. Und anders als so viele Menschen, die ihre frühen Erfahrungen, wiederholen, traf sie die mutige Entscheidung, ihre Familiengeschichte nicht weiterzuführen. Da war sie 5 Jahre alt! Sie wusste damals noch nichts von einer anderen Möglichkeit zu leben. Aber sie ging auf die Knie und traf eine Entscheidung: „Gott also, wenn ich groß bin, will ich nur eins: eine Familie, die sich liebt. Bitte mach das!“ Als sie mir das erzählt hat, hat mich das zutiefst beeindruckt und bewegt. Sie war noch ein Kind und doch sie hatte die Kraft, ihre Lebensumstände zu ändern. Ihr Ziel war es ein Leben voll Liebe zu führen. Ich bin die Tochter einer Frau, die ihr Leben verändert – um 180 Grad gedreht hat.

Das erste, was ich also über Veränderung gelernt habe war: Ich habe die Wahl, ob ich der Angst folge oder der Liebe, egal wie die Umstände sich zeigen.

23 Jahre später traf ich meine Schwiegermama. Bevor ich sie traf, war ich auf Karrierekurs. Ich bin in Berlin-Hellersdorf, in der Platte aufgewachsen und ich wollte einfach nur da weg. Es gab die Möglichkeit zu promovieren. Als ich meiner Schwiegermama das erste Mal begegnete, fragte sie mich: „Elisabeth, was willst Du denn wirklich, wirklich mit Deinem kostbaren Leben anstellen?“ Ich hatte diese Frage vorher noch nie gehört. Mein Leben ist kostbar? Das war eine völlig neue Idee! Vielleicht, wenn möglich, würde ich gern einen positiven Unterschied machen und die Welt verändern! J

Nur wie? Wo beginnt man, wenn man die Welt verändern möchte? Man beginnt dort, wo man ist. Bei den eigenen Talenten und Wünschen, bei den Problemen die einen zutiefst berühren. Mit der Geschichte meiner Mama im Rücken und den Bildern der Platte im Herzen, wusste ich, dass ich im Bildungsbereich arbeiten wollte und zwar mit Jugendlichen, denen noch keine stabile Startrampe ins Leben gebaut wurde.

Das zweite, was mir die Veränderung beigebracht hat: Fang da an, wo Du bist.

Und wie wagt man jetzt den Sprung? Wie entscheidet man sich für diese Art von Arbeit und lässt die klassischen Karrieremöglichkeiten los?

Das ist die dritte Geschichte:

Ich hielt unsere drei Monate alte Tochter im Arm und mich durchfuhr eine Erkenntnis: „Du wirst Dich später weniger an das erinnern, was ich Dir sage, sondern vielmehr an das, was ich lebe.“ Ich gab ihr ein Versprechen. „Ich verspreche Dir, dass ich Dir vorleben werde, dass Du auf dieser Welt ganz Du selbst sein kannst und dass Du genau damit Dinge zum Guten verändern wirst. Ich zeige Dir, dass gelebte und kompromisslose Liebe hier möglich ist.“ Deswegen ließ ich mein Promotionsangebot damals sausen.

Das ist also das Dritte was ich über Veränderung gelernt habe: Handele. Sei wirksam in der Welt, statt nur in Deiner Vorstellung.

Diese drei Frauen, meine Mama, meine Schwiegermama und meine Tochter, sind meine Mentorinnen. Sie haben für mich in jeder Hinsicht einen Raum geschaffen, in dem ich mich erkennen und entfalten konnte. Sie haben den Kurs meiner Geschichte vollständig verändert. Seitdem ist Veränderung mein Programm.

Vom ersten Atemzug bis zu unserem letzten, verändern wir den Lauf der Dinge, schreiben wir Geschichte – unsere eigene und die der Menschen, die mit uns gehen. Es ist nicht möglich, dass wir durchs Leben kommen, ohne etwas zu bewirken.

Aus dieser Erfahrung entstand das größte deutschlandweite Mentoring-Programm für Jugendliche. Mit ROCK YOUR LIFE! bringen wir zwei getrennte Welten zusammen. Wir bauen eine Brücke zwischen jungen Menschen aus der Uni und jungen Menschen aus der Hauptschule. Eine Studentin und eine Hauptschülerin arbeiten zwei Jahre zusammen. Es geht darum, den Jugendlichen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben zur Seite zu Seite zu stehen. Mit ihnen herauszufinden, wer sie wirklich sind, was ihre Superkräfte sind und was sie mit ihrem Leben anstellen möchten. Die Mentoren begleiten sie auf diesem Weg. Dabei verändern sich immer beide. In Deutschland hängt Bildungserfolg nach wie vor stark von der sozialen Herkunft ab. Aber was heißt das?  Ich wusste: es ist nicht die Plattenbausiedlung selbst, die einen zurückhält. Es sind die Geschichten, die man sich eher in der Platte erzählt. Das sind andere Geschichten als im Villenviertel. Geschichten von „nicht gut genug sein“, Geschichten über „Arbeitslosigkeit“, Geschichten vom „Leben als Kampf“, Geschichten von „Unmöglichkeiten, anstelle von Möglichkeiten“. Die Idee zu ROCK YOUR LIFE! entstand aus einer Beobachtung, die meine Freunde und ich teilten. Wir fragten uns immer wieder, warum wir an dieser tollen Uni studieren konnten. Jede Antwort auf diese Frage lief darauf hinaus: „Weil da jemand war, der mehr als ich, an mich geglaubt hat.“ Wir wollten das teilen. Wenn eine Veränderung bereit ist zu entstehen, dann können Sie darauf vertrauen, dass es viele Menschen gibt, die genau denselben Ruf gehört haben wie Sie. Um ROCK YOUR LIFE! zu ermöglichen, haben sich bis heute 2.000 Studierende für die Organisation und den Aufbau des Mentoring-Programms engagiert und damit 4.000 Mentoring Beziehungen ermöglicht. Einer von den vielen tausend Mentees ist Umut. Er macht gerade sein Abitur. Er ist mit seinem Mentor Tim seit mittlerweile 6 Jahren im Tandem unterwegs. Umut sagt: „Ohne ROCK YOUR LIFE! hätte ich niemals den MSA geschafft und würde niemals jetzt das Abitur machen, denn Tim war meine Muse.“

Das vierte Learning, dass ich mit Ihnen über Veränderung teilen will, ist: Lassen Sie uns niemals zu schade sein, für all die kleinen Schritte, die wir jeden Moment tun können, genau da, wo wir gerade sind!

Nach meiner Zeit bei ROCK YOUR LIFE! bin ich als Trainerin und Coach losgezogen. Ich tauschte meine Geschäftsführerposition gegen den Stuhlkreis ein. Der wurde meine Bühne. Hier habe ich gelernt, dass wir immer die Leute, die an unserer Seite gehen verändern! Und wenn wir es schaffen, ein liebevolles Umfeld für uns und die anderen zu sein, dann geschieht es fast von allein, dass sich Potentiale entfalten. Es ist nicht unser Job jemanden zu retten oder zu verändern. Es ist unser Job durch unser Handeln zu inspirieren und sichere Arenen für uns und andere zu schaffen. Solche, in denen wir wachsen können.

Oft wissen wir nicht oder erst sehr viel später, was unsere Handlungen auslösen. Mit welchem Nebensatz wir jemandem seine Stärken gezeigt haben? Mit welcher kleinen Geste wir einen Unterschied ermöglicht haben. Wir haben es nicht gemacht, wir haben es ermöglicht.

Was bedeutet das für uns alle, für Sie und für mich?

Sie sind Lehrer? Sind Sie Führungskraft? Sind Sie Mutter? Sind Sie Journalistin? Kreativer? Sind Sie Unternehmerin? Sozialarbeiter? Studierende? Sind Sie Angestellter? Künstler? Sind Sie Vater? Sohn? Tochter? Sind Sie Mensch? Gut. Dann haben Sie alle einen Raum, in dem Sie wirken. Klassenzimmer, Büros, Hubs, Wohnzimmer, Schreibstuben, Bibliotheken, Taxis, Besprechungsräume. Das sind Ihre Arenen. Hier wirken Sie. Immer wenn wir in Beziehung mit anderen Menschen sind, wirken wir. Immer wenn wir unsere Kreativität ausdrücken, wirken wir. Veränderung ist kein Nullsummenspiel. Sobald Du Dich auf diese große Lehrerin Veränderung einlässt, bleibt kein Stein auf dem anderen.

Sie wirken in Ihren Familien, in Ihren Jobs, in Ihren Ehrenämtern, sogar im Supermarkt! Schauen Sie genau hin: Was funktioniert dort nicht? Wo wird ausgegrenzt? Ausgebeutet? Darüber hinweggesehen? Gestritten? Bevormundet? Manipuliert? Alleingelassen? Verändern Sie.

Wo wird gesehen, gewürdigt, gefragt, zugehört? Wo werden Lösungen entwickelt, die nachhaltig sind? Machen Sie mehr davon.

Was fehlt in Ihrer Arena: Freude? Respekt? Kreativität? Vertrauen? Bringen Sie es!

Was ist zu viel in Ihrem Wirkungsraum? Misstrauen? Vergleich? Stress? Reduzieren Sie! Wir können das.

Veränderungen zu bewirken, erfordert Hingabe und auch Demut. Es ist Arbeit. Arbeit, für die wir jeden Tag aufstehen. Arbeit, die es erfordert das wir uns zeigen. Arbeit, die uns herausfordert etwas anders zu tun, als die meisten Menschen um uns herum. Arbeit, die von uns verlangt, dass wir für unsere Arenen 100% Verantwortung aufnehmen, wissend, dass wir dadurch lediglich unsere Welt verändern und nicht die Welt. Veränderung will, dass ich erkenne, dass genau das mehr als genug ist.

So wie es meine Mama vor genau 50 Jahren gemacht hat, als sie sich entschieden hat, der Liebe mehr zu vertrauen als der Angst. Sie hat beschlossen, unsere Familiengeschichte umzuschreiben. Meine Mama sitzt heute übrigens in diesem Theater. Wenn wir, wie sie, Verantwortung für unsere Wirkungsfelder aufnehmen, werden wir zu Pionieren. Wir sind schon mittendrin in einer Revolution. Für mich ist es eine Revolution der Liebe.

Wir können jetzt Pioniere dafür sein, wenn wir unsere eigenen Arenen bewusst gestalten. Wir können nicht durch dieses Leben gehen, ohne andere Menschen und ihre Welt zu bewegen. Das ist die gute Nachricht. Wir sind Veränderer – und das ist die Definition von Menschsein…Und die Welt ist mehr als bereit für uns.

 

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2 Gedanken zu “Die Kunst Veränderung zu bewirken

  1. Elke

    Liebe Elisabeth ❤

    Dieser Post ist so wundervoll und hat mich zu Tränen gerührt , weil ich mich in so vielem wiederfinde, weil es nichts Schöneres gibt als Liebe . Egal in welcher Form , ohne Liebe kann ich die Veränderung nicht leben . Du bist so inspirierend und das was du und deine Freunde aufgebaut haben ist so so wichtig . Ich selber habe Krisen nur gemeistert weil ich Leute um mich hatte , die an mich geglaubt haben wenn ich es gerade nicht tat . Ich konnte dadurch wachsen und hab soviel gelernt . Für mich fühlt es sich an , als wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen diese Erfahrungen weiter zu geben . Wie genau weiß ich noch nicht aber du bist definitiv eine wertvolle Person von der ich soviel lernen kann . Danke das es dich gibt

    Herzliche Grüße
    Elke

    1. Elisabeth Post author

      Liebe Elke,
      wow, danke für Deine Worte! Es ist so schön, dass Du jetzt den Impuls fühlst raus zu gehen und Deine Erfahrungen weiter zu geben. Ich wünsche Dir damit viel Erfolg und vor allem Freude und wunderbare Momente.
      Danke, dass es Dich gibt!
      Elisabeth

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