elisabeth hahnke coach und trainerin

Folge 2: Wer hält mich eigentlich vom Relaxen ab?

Letzte Woche habe ich Euch das psychologische Modell der inneren Antreiber vorgestellt. Antreiber sind verinnerlichte Gebote, die uns Stress verursachen. Jeder hat sie, und es liegt in unserer Verantwortung uns von ihnen zu befreien. Antreiber sind Befehle, wie „sei perfekt“ oder „sei gefällig“. Wer einen „Perfekt-Antreiber“ hat, dem fehlt die Erlaubnis Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. So ein innerer Mister Perfect tritt zum Beispiel auf, wenn Du eine Präsentation halten sollst. Du sitzt vielleicht schon Tage an der Aufgabe und wirst nicht fertig, denn… es müssen die Farben noch leuchtender herauskommen, dieses eine Wort trifft noch nicht genau was Du sagen willst, und die Kommata wurden erst 2 Mal überprüft…!

Antreiber gehen davon aus, dass wir etwas „so und nicht anders“ machen müssen. Sie gehen automatisch an, weil sie unbewusst agieren. Du bist in einer bestimmten Situation und Deine „Knöpfe werden gedrückt“ – plötzlich hast Du das treibende Gefühl, das jetzt perfekt machen zu müssen und Du kommst nicht raus. Antreiber stressen, sie machen das Bewusstsein wolkig und treiben Dich mit ihrem Anspruch vor sich her. Deswegen ist es eine gute Idee sie zu kennen und schrittweise aufzulösen. Letzte Woche habe ich Dir bereits 3 Antreiber vorgestellt:

  • Mister Perfect („Sei perfekt!“)
  • Lady Harmonie („Sei gefällig!“) und
  • Miss Geschwindigkeit („Beeil Dich!“)

Heute stelle ich Dir die letzten zwei Antreiber aus dem Modell, welches Teil der Transaktionsanalyse ist, vor. Darf ich vorstellen…!?

Antreiber Nummer 4: Strong Boy!

Ein Indianer kennt keinen Schmerz. „Sei stark!“ – das ist das Motto von Strong Boy, einem inneren Gebot, dass vor allem Jungs in ihrer Kindheit häufig gehört haben. Wie oft habe ich das schon erlebt: Ein Kind fällt und schürft sich die Knie auf, die Eltern halten es nicht aus, dass der/die Kleine weint und beschwichtigen: „Ist nichts passiert! Nichts passiert. Schon gut! Tut ja gar nicht weh. Mama pustet. Tut nicht weh, siehst Du? Schon vorbei. Nicht weinen. Du musst nicht weinen!“ OMG. Gar nicht gut. Schließlich brennt dieses blöde Knie und pocht. Außerdem ist da Blut vermischt mit Dreck – woaaaah, das tuuuuuut weh, verdammt nochmal! Wenn Eltern ihren Kindern unangenehme Erfahrungen vorenthalten und ihnen damit beibringen, dass es NICHT OKAY ist, schwach zu sein, dann entfaltet sich Mister Strong Boy. Auch alle Botschaften von Bezugspersonen, wie: „Stell Dich nicht so an! Das geht schon! Mach das allein, Du brauchst keine Hilfe! Da musst Du durch! Augen zu und durch! Jammer nicht! Da reden wir nicht drüber!“ machen Mister Strong Boy stark, stärker, am stärksten. Es fehlt die Erlaubnis zu fühlen – und zwar ALLE Emotionen. Und es fehlt die Erlaubnis, schwach zu sein und Hilfe anzunehmen. Wer „sei stark“ verinnerlicht hat, der ist der berühmte Fels in der Brandung. So jemand hat ständig eine hohe Belastung und trägt dennoch alle Last auf den eigenen Schultern.

Die transformierte und reife Qualität die hinter diesem Antreiber steht ist: „Ich anerkenne meine Lebenskraft und setze sie für mich und andere gewinnbringend ein.“

Coaching Tipp: Erlaube Dir Deine schwachen Momente zu fühlen. Erlaube Dir Hilfe anzunehmen. Baue Pausen in Deinen Alltag ein. Spüre in Deinen Körper und nimm die körperlichen Begrenzungen wahr. Wenn eine dicke Erkältung aufzieht, dann gehst Du ins Bett und nicht in die Arbeit. Bei Kopfschmerzen keine Aspirin und dann wieder funktionieren, sondern ab ins Bett und Ruhe geben! Sei liebevoll mit Dir. Entwickle Rituale die Dir dienen.

Antreiber Nummer 5: Madame Pushy!

Madame Pushy ist in unseren Breitengraden sehr häufig vertreten. „Ich bin heute als letzter aus dem Büro gegangen!“ Sie ist diejenige, die genussvoll die Schweißperlen auf Deiner Stirn zählt und aus Deiner irren Anstrengung Genugtuung zieht. „Streng Dich an!“, ruft sie Dir beständig zu. Und Du strengst Dich an. Und strengst Dich an. Und noch mehr. Aber weißt Du was? Madame Pushy reicht es nie. Anstrengung ist ihr wichtiger als das Ergebnis. Es fehlt die Erlaubnis, das Dinge in Leichtigkeit geschehen dürfen. Es fehlt überhaupt die Erlaubnis, dass das Leben und Arbeiten leicht sein kann. Madame Pushy anerkennt Leistung ausschließlich dann, wenn sie mühevoll war. Geht etwas leicht, kann es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.
Die transformierte Qualität, die unsere Madame versteckt, ist: „Ich übernehme Verantwortung für meine Handlungen.“

Coaching Tipp: Geh mit dem Mantra „Es darf leicht gehen!“ durch Deine Tage. Anstatt zu zählen, wie hart Du arbeitest, beobachte lieber was Dich freut. Fokussiere auf alles, was Dir Freude macht, und nimm Freude als Maßstab für Deinen Erfolg. Schreibe Dir eine Liste an Dingen auf, die Dir leichtfallen und wertschätze, dass Du diese Stärken hast.

Ich hoffe die zwei Folgen haben Dir ein paar Erkenntnisse verschafft und ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Deine Antreiber liebevoll wandelst – für Dein freudvolles Leben.

Ich freue mich auf Deine Kommentare! Erkennst Du Dich in den Antreibern? Wie gehst Du mit ihnen um und welche Tipps hast Du für uns, sie zu wandeln?

Kopf hoch, Herz offen und Rock’n Roll

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3 Gedanken zu “Folge 2: Wer hält mich eigentlich vom Relaxen ab?

  1. Chi

    Hach ja, ich glaub ich hab mich gerade ungefähr in allen Antreibern wieder erkannt. Aber so richtig hab ich noch keinen Dreh raus das zu ändern, steckt schließlich in so vielen Gedankengängen und Handlungsmustern drin. Vielleicht auch weil von außen eher z.B. die Leistung die man bringt Anerkennung findet und nicht unbedingt die Freude die man dabei hat. Da finde ich es noch schwieriger das eigene Denken zu verändern.

    1. Elisabeth Post author

      Ich finde es am wirksamsten, wenn Du Dir die fehlende Erlaubnis gibst. Also wenn Du einen “Perfekt-Antreiber” hast, dann gibst Du Dir die Erlaubnis Fehler zu machen. Probier die Coaching Tipps mal aus und schau, was sich dadurch schon verändert. Ich freu mich von Deinen Erfahrungen zu hören.

  2. Ramona Hahnke

    Ja ich glaube auch,es ist wirklich dieses erkennen und bewusst werden…ich bin so dankbar für die coaching Tipps!Ich werde es anwenden,denn das ist es was ich brauche:Praktische Hilfestellung!Ich bin bereit liebevoll mit meinen Antreibern zu arbeiten:)Und ich freue mich auf diese Arbeit,denn das ist es immer auch!

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