Gesa’s Frage: Wie kann ich möglichst ich selbst sein und doch Verbundenheit und Gemeinschaft leben?

Das ist eine wunderschöne Frage. In Deiner Frage versteckt sich ein Zweifel, ob die persönliche Entfaltung und Wahrhaftigkeit mit der Verbindung zu anderen Menschen vereinbar ist. Natürlich, natürlich. Aber von Vorne…

Du deutest mit Deiner Frage auf etwas sehr Wichtiges hin und wir sollten genau hinschauen, um uns einer Antwort anzunähern. Denn in dieser Antwort könnte sehr viel Erlaubnis und Befreiung enthalten sein.

Jeder Mensch strebt nach sich selbst. Alles was wir da draußen suchen und für das wir uns so anstrengen, wie Liebe, Ankunft, Freude, Gesundheit, Frieden, Gelassenheit, finden wir letztendlich in uns. Das Ende der Reise, bist Du selbst. Immer. Wir wissen das. Wir dürfen unsere Suche also abkürzen und unvermittelt in uns selbst all das entfalten, was wir uns wünschen.

Du bist voll Liebe, liebevoll. Du bist voll Wunder, wundervoll. Du bist voll Frieden, friedvoll. Du bist voll Wert, wertvoll. Du musst nichts beweisen, zurückhalten oder leisten, um diese Schönheit in Dir zu erfahren.

Die größte Illusion, der wir folgen ist die, dass wir mangelhaft oder gebrochen sind. All die Verneinungen, die Du Dir gegenüber hast, trennen Dich von Deiner Kraft:

  • „Ich bin nicht intelligent genug, deswegen muss ich…“
  • „Ich bin nicht schön genug, also darf ich nicht…“
  • „Um geliebt zu sein, muss ich…“
  • „Um akzeptiert zu werden, darf ich nicht…“

In der Arbeit mit uns selbst, geht es um ein Durchschauen aller Illusionen. Ist es wirklich wahr, dass ich dünn sein muss, um schön zu sein? Stimmt es ehrlich, dass ich studiert haben muss, um intelligent zu sein? Ist es absolut richtig, dass ich unter allen Umständen hilfsbereit sein muss, um akzeptiert zu werden? Nein. Es ist nicht wahr. Durchleuchte Deine Gedanken. Überprüfe sie. Solange bis Du Dich erinnerst: „Ich bin ok. Ich war schon immer vollkommen ok.“

Oft, und das ist besonders vertrackt, sind unsere inneren Verneinungen mit „wenn, dann“-Aussagen verknüpft.

  • „Wenn ich ganz ich selbst bin, wenden sich Menschen von mir ab.“
  • „Wenn ich viel Erfolg habe, bin ich wertvoll.“
  • „Wenn ich ganz frei und selbstbewusst bin, denken andere ich wäre arrogant.“
  • „Wenn ich sehr freundlich bin, bleibt mein Partner bei mir.“
  • „Wenn ich meinen Karriereweg verlasse, verletze ich meine Eltern.“
  • „Wenn ich Grenzen setze und für meine Bedürfnisse einstehe, werde ich verlassen.“

Jeder Mensch strebt nach sich selbst UND nach Verbundenheit mit anderen. Beide Ausrichtungen nehme ich als zwei Seiten einer Medaille wahr. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Durch die Auseinandersetzung in einer Beziehung erkenne ich mich selbst, aber durch meine Wahrhaftigkeit, komme ich erst in eine wirkliche tiefe Beziehung. Wir wandern beide Pole ab und verbinden sie durch unsere Erfahrungen. Beide Seiten gehören zusammen. Wenn Du aber denkst, dass sie gegensätzlich zueinander sind oder sich behindern, dann entsteht Ambivalenz. Schließen sich beide Pole aus, musst Du Dich entscheiden: Mache ich mein Ding, ohne auf andere zu achten? Oder passe ich mich an, um Teil der Gemeinschaft zu sein? Du trennst, was zusammengehört.

Du verneinst, Deine eigene Freiheit nicht aus Spaß, sondern auf Grund einer Befürchtung. Du setzt ungenau und selten Grenzen, weil Du Angst hast, anderen vor den Kopf zu stoßen, nicht weil Du keine hättest. Überall da wo Du Dich unbewusst zurückhältst oder größer machst, da wo Du gegen Deine eigentliche Wahrheit angehst, sitzt eine Angst und wartet auf Dich. Sie möchte von Dir erkannt und durchblickt werden.

Beantworte Dir folgende Fragen:

  • In welchen Momenten verhältst Du Dich gefällig, um Verbundenheit zu leben?
  • Was sind die Situationen, in denen Du „so tust als ob“, um Teil der Gemeinschaft zu sein?
  • Welcher Art sind Deine Kompromisse mit Dir selbst, um geliebt zu werden?

Mit Hilfe dieser Fragen, bekommst Du einen Einblick in Dein Handlungsmuster. Wann springt Deine Zurückhaltung, Dein „sich-verstellen“ an? Notiere Dir Deine Antworten ehrlich und sei liebevoll mit Dir. Da Du es sowieso tust, kannst Du auch genau hinschauen. Deine Antworten sind im Moment Deine Realität.

Wir können nur ändern, was wir gesehen und als derzeitige Wirklichkeit angenommen haben.

Im nächsten Schritt findest Du Deine Antworten zu den folgenden Fragen:

  • Was ist meine Absicht in der Situation?
  • Was möchte ich eigentlich erfahren?
  • Wozu verstelle ich mich?

Werde Dir klar, was Du wirklich willst. Wozu verhältst Du Dich gefällig und wozu machst Du Kompromisse, zu denen Du nicht bereit bist? Wahrscheinlich ist Deine Absicht, Teil Deiner Frage: Um Verbundenheit und Gemeinschaft zu erfahren. Um Angenommen und akzeptiert zu sein. Um gesehen und gewürdigt zu werden.

Weiter geht’s…stelle Dir nun die Frage, ob Du mit Deinem Verhalten diese Absicht erreichst. Erfährst Du Verbundenheit, indem Du Dich nicht ganz zeigst? Wirst Du 100% angenommen, weil Du…nicht ganz Du selbst bist? Du merkst vielleicht, dass Du Deine Absicht mit Deiner Strategie nicht realisieren kannst. Denn, indem Du Dich versteckst, kannst Du zumindest mit einer Person nicht verbunden sein: Mit Dir selbst. Durch das Spielen einer Rolle, nimmt in jedem Fall eine Person, Dich nicht an: und das bist wieder Du selbst. Du trennst Dich, weil Du etwas von Dir ablehnst. Das hat einen guten Grund.

Spüre zu diesen Fragen hin und lasse die Antworten aufsteigen:

  • Was ist Deine Befürchtung?
  • Wie reagieren Menschen auf Dich, wenn Du Dich ganz für Dich entscheidest?
  • Was ist das Schlimmste, was passieren kann?
  • Wenn ich ganz, ich selbst bin, dann befürchte ich, dass…

Finde heraus, wovor Du Dich fürchtest! Was sind unangenehme Konsequenzen, wenn Du zum Beispiel eine Grenze setzt oder alles „so tun als ob“ aufgibst? Und hier geht es nicht um Logik. Löse diese Fragen nicht mit Deinem Verstand, sondern beobachte, welche Ängste in Dir auftauchen. Vielleicht befürchtest Du, dass Du andere überrumpelst, nicht mehr liebenswürdig bist, dass sich Menschen von Dir abwenden oder von Dir enttäuscht sind.

Halte kurz inne. Welche Erkenntnisse hattest Du bereits? Siehst Du, dass sich Deine Befürchtung schon längst erfüllt hat? Schau, wenn Du Angst hast abgelehnt zu werden, hat es sich doch bereits erfüllt. Denn Du hast einen Teil von Dir schon abgelehnt. Du warst selbst nicht liebenswürdig zu Dir, als Du eine Grenze nicht setzen wolltest, die in Dir aber bereits spürbar war. Und Du hast Dich von Dir abgewendet, als Du Dich zurückgehalten hast, obwohl Du genau wusstest, was für Dich jetzt wichtig ist. Ist das nicht interessant? Wir kommen einfach nicht drum herum, unsere eigenen ungeprüften Gedanken anzuschauen.

Jetzt geht es darum all diese Ängste einmal zu würdigen und anzunehmen. Das ist wunderschön. Denn es ist Deine Möglichkeit, Dich ganz anzuerkennen, mit Dir selbst ganz verbunden zu sein, Dich in allem zu würdigen. Du kannst Dir einfach selbst geben, was Du Dir von Deinen Mitmenschen wünschst.

Also schauen wir uns die letzten Fragen an:

  • Wie wärst Du, ohne Deine Befürchtungen?
  • Was wäre dann anders, was wäre möglich?
  • Was wäre ein Ausdruck für Deine Absicht ganz Du selbst UND in Gemeinschaft zu sein?
  • Was ist ein nächster konkreter Schritt, um Verbindung zu leben – mit Dir und mit anderen?

Du bist die, die diesen Weg gehen kann. Das ist ermächtigend, kraftvoll, verantwortlich, stark. Probiere es aus. Aus meiner Beobachtung steigen unser Mitgefühl und unsere Verbindlichkeit mit anderen, wenn wir uns selbst genauer kennenlernen und annehmen. Denn das Wissen um meinen Schmerz, wie um meine Ressourcen hilft mir, auch andere in ihrem Licht und in ihren Schatten zu sehen. Je tiefer und weiter ich mich wahrnehme, desto mehr nehme ich das Leben um mich herum wahr und die Tiefen und Weiten der anderen.

Ich erkenne das, was ich kenne. Je größer Du bist, desto mehr Raum für Verbindung. Zeig Dich – und wenn Du das Versteckspiel noch nicht für Dich selbst aufgeben magst, dann tu es für uns!

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