Ich übe, dem Augenblick zu begegnen

Weißt Du, was in diesem Moment in Dir vor sich geht? Kannst Du wahrnehmen, welche Gedanken ihre Kreise in Dir ziehen? Hast Du schon einmal den Zusammenhang Deiner Gedanken und Gefühle bemerken dürfen? Hast Du eine Idee, wo deine vielfältigen Handlungsimpulse und Entscheidungen herkommen? Bemerkst Du, wie häufig Du beurteilst – gut, schlecht, kalt, schön, lieb, unfreundlich, klappt nicht, funktioniert…?

Jeder Mensch hat ein außerordentlich reiches und komplexes Innenleben welches ihn beständig zum Handeln oder Verharren motiviert. Wenn Du bewusst Handeln möchtest, musst Du Dein Innenleben achtsam betrachten. Wir neigen dazu, uns ständig auf die äußere Welt zu beziehen. Unsere Sinneseindrücke wirken umso vieles eindrucksvoller, als unsere geistigen Regungen. Wenn Du Dich nicht mit Deinem Innenleben auseinandersetzt, wirst Du Dich selbst irgendwann vermissen.

Sich nach innen zu wenden und in wertfreier Beobachtung mit sich zu sein, ist ein Akt radikaler Selbstliebe.

Wen Deiner Freunde würdest Du ernsthaft in Dein Gedankenkarussell setzen und ihm all deine Bewertungen, Befindlichkeiten und sprunghaften Impulse zumuten? Niemanden. Und dennoch wirken all diese Gedanken und Stimmungen unbeobachtet in Dir. Sie sind wie Kinder, denen niemand genug Aufmerksamkeit schenkt. Sie klopfen beständig an Deine Tür, damit Du Dich ihnen zuwendest. Sie lösen Gefühle in Dir aus welche Dich zum Handeln motivieren. Deine Handlungen erzeugen, Ergebnisse in Deinem Leben. Wenn Du die Verbindung zwischen Innen und Außen nicht erkennst, merkst Du gar nicht, wie Du Dein Leben gestaltest.

In der Meditation wendest Du Dich Dir zu. Du verbindest Dich mit Deinem Atem. Dein Atem bringt Dich beständig in den Augenblick, denn Du kannst nicht gestern atmen und auch nicht wissen, wie Du morgen atmen wirst. Atmen geschieht immer jetzt. Während Du Deinen Atem beobachtest, nimmst Du achtsam alles wahr, was in Dir geschieht: Körperempfindungen, Gefühle und Stimmungen, sowie Gedanken. Ohne einzugreifen, ohne zu verändern, ohne einem Gedanken zu folgen, ohne Analyse und ohne Interpretation. Du beobachtest liebevoll, was sich in Dir zeigt. Manche inneren Impulse werden Dich animieren, Dich von deiner Atembeobachtung loszureißen. Z.B. erscheint in Deinem Geist der Gedanke: „Durst!“ und Dein Körper möchte sofort aufspringen und Dir ein Wasser holen. Bleib sitzen. Beobachte achtsam, wie stark Geist und Körper miteinander spielen. Führe Dich zurück zu Deiner Atmung. Das ist Deine einzige Aufgabe, während Du meditierst. Es geht in der Meditation nicht darum, ohne Gedanken zu sein. Es geht darum mit Deinen Gedanken zu sein (Dich auszuhalten) – und immer wieder zu Deinem Atem zurück zu finden.

Stille entsteht durch Deine regelmäßige Praxis.

Erkennst Du, dass Du mehr bist als die Summe Deiner Gedanken und Gefühle? Denn, könntest Du nicht auch andere Gedanken denken, die neue Gefühle begünstigen? Und wärest Du dann wirklich jemand anderes?

Durch Achtsamkeit berührst Du Dich und Deine Welt unmittelbar, anstatt lediglich in Kontakt mit Deinen Beurteilungen über Dich und das Leben zu stehen.

Wir üben durch die achtsame Meditation, dem Augenblick zu begegnen. Einfach weil hier das Leben stattfindet. Und darum geht es doch, oder?

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