elisabeth hahnke coach und trainerin

Kreativität zwischen Handwerk und Inspiration

Manchmal durchfährt mich die Kreativität, während ich arbeite. Sie packt mich in meinem tiefsten Inneren und hebt Worte und Handlungen aus mir heraus, die mich in ihrer Intensität und Wahrhaftigkeit völlig überraschen. Ich bin mir sicher, dass meine Kreativität meistens ihren eigenen Kuchen zu meiner Party mitbringt und das die Weisheit, die mich dann durchschüttelt, nicht meine eigene ist. Es gibt diese magischen Momente in Coachings und Trainings, in denen Kreativität meine Kommunikation mit meinen Teilnehmern so orchestriert, dass Berührung und Wandel im Moment in solch einer Intensität entstehen, dass es mich völlig erstaunt. Kreativität ist mein liebster Party-Crasher. Ich habe die Tür immer einen Spalt offen, falls sie Lust hat mit uns zu feiern.

Die meiste Zeit allerdings, arbeite ich in meinem Beruf mit meinem Handwerkszeug und einer großen Portion Liebe. Kreativität ist kein Dauergast. Warte nicht, bis sie mit Wunderkerzen und Raketen auf Deiner Feier auftaucht. Ich beobachte es zu oft, dass die liebsten Menschen in meinem Umfeld, erst bereit sind ihrer Kunst zu folgen und sie zu zeigen, wenn bereits alle Zutaten vorhanden sind. Die Wahrheit ist, dass Du am Anfang in jedem Handwerk erst einmal das ABC und das kleine Einmaleins lernst – völlig unspektakulär, nah am Prozess – und meistens kopiert man einfach lange seine Lehrer. Das ist ok. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, das stimmt. Aber jedem Anfang wohnt auch richtig viel Stolpern und Experimentieren inne. Kreativität erscheint erst, wenn die Party auf ihrem Höhepunkt ist. Nicht einen Moment vorher. Diese Diva!

Ich übe mich seit 10 Jahren im Lehren, Schreiben, Coaching, Training, im Erfinden und Aufbauen von Programmen zur Potentialentfaltung. Meistens ist meine Arbeit eine Kombination aus Erfahrung, Wissen und Liebe. Manchmal kommt die Kreativität dazu. Wenn die den Raum betritt, dann überlasse ich ihr alles: das DJ-Pult, die Playlist, das Licht und das Party-Buffet. Ich schaue ihr einfach staunend zu, während sie all das was ich gelernt habe zu einem harmonischen Ganzen kombiniert und mich mit neuen Erkenntnissen und Kompetenzen zurücklässt.

Mein Handwerk sieht so aus: Ich baue auf meine langjährige Übung, Perspektiven zu wechseln. Ich rufe meine Unerschrockenheit an und lade Schatten und Licht zum Zwiegespräch an einen Tisch. Ich moderiere zwischen Zweifel und Zuversicht. Ich halte den Raum für meine Teilnehmer, so dass sie urteilsfrei und neugierig ihren inneren Welten begegnen können. Ich verknüpfe Gedanken zu neuen Mustern und zeige, wie Du Dich in jeder Facette annehmen lernen kannst. Ich mache mich auf die Suche nach der Freude in Dir und finde mit Dir Deine Vision. Weil ich es gelernt habe. Es ist mein Handwerk. Die meiste Zeit arbeite ich so. Manchmal kommt Kreativität dazu – dann geschieht dabei Magie.

Kreativität braucht Dein Commitment zu Deinem Handwerk, damit sie daraus Handwerkskunst schaffen kann. Ich weiß zu 100%, dass es nicht an mir liegt, wenn etwas in einer Gruppe entsteht, das größer ist, als wir alle zusammen. Kreativität erschafft eine Kunst, die über uns hinausgeht. Diese Art der Kreativität ist ein Geschenk. Du kannst sie nicht herstellen. Du machst sie nicht. Du wirst sie nicht auffordern können zu Dir zu kommen. Und bitte… warte nicht auf sie.
Deine Aufgabe ist es, Dein Handwerk zu machen. Fotografiere, zeichne, schreibe, coache, denke, analysiere, berechne, führe, gestalte, baue, ordne, sortiere – was immer Dein Ding ist. Tu es. Mit Deiner Hingabe, Deinem Verstand, Deinen Händen. Experimentiere und mach Fehler. Lerne, übe, trainiere, fall hin, steh auf. Damit haben wir genug zu tun. Umarme Deine Menschlichkeit. Liebe Deine Limitierungen. Danke Deinen Wissenslücken. Webe Deine Liebe in Dein Können und widme dieser Liebe die Ergebnisse Deines Handwerks. Und dann lass die Tür einen Spalt weit offen… Du weißt für wen.


Früher wollte ich die Kreativität an meinen Schreibtisch binden und nur dann erschaffen, wenn sie brav neben mir saß. Aber das ist nicht ihre Art. Sie hielt einfach den Mund. Also habe ich mir eine andere Qualität eingeladen mit mir zu Kreieren.

Ich kombiniere mein Handwerk immer mit Liebe. Immer, immer, immer. Liebe verlässt mich nie. Liebe ist der Zustand in dem ich wirke, zu dem ich immer wieder zurückkehre – Atemzug für Atemzug. Das ist der Unterschied zur Kreativität. Die ist ein extravagantes Ding, während Liebe unbeeindruckt von meiner seelischen und körperlichen Verfassung, immer da ist. Beständig. Konsistent. Loyal. Treu. Bedingungslos. Wenn Du Deiner Kunst folgst, musst Du Dein inneres Team kennen: Liebe, Handwerk, Hingabe, Kreativität… und wissen auf wen Du bauen kannst und wem Du den roten Teppich ausrollst, wenn sie plötzlich auf der Matte steht – glühend, spontan, magisch… ach, Kreativität!

Schau Dir Deine Kunst an. Welche Erwartungen stellst Du an Deine Kreativität? Muss sie immer da sein? Sprühend und funkelnd? Oder erlaubst Du Dir, Dich einfach vor Deine Aufgaben zu setzen und diese – mit all deinen Wissenslücken und unausgegorenen Kompetenzen – zu erledigen?
Und spüre auch hin, welche Qualität Dir noch dienen möchte, damit Du nicht sehnsüchtig wie ein verliebter Teenager auf Deine Kreativität warten musst. Welche Qualität ist beständiger? Hingabe vielleicht. Disziplin. Geduld. Dankbarkeit? Dich in Deiner Kunst zu erfahren ist ein Geschenk. Ob Du nun daraus einen Beruf machst oder nicht.
Warte nicht bis alle Partygäste da sind, um mit dem Tanzen zu starten. Selbst wenn nur Du am Buffet stehst und schüchtern den DJ anlächelst sind genug Leute im Raum, um zu feiern

Feier, bevor alles fertig ist.

 

Ps: Ich kenne einige wenige Menschen, deren Grundenergie Kreativität ist. Für diese erstaunlichen Personen geht es eher darum, mit der Kreativität Pausen zu verhandeln, wenn nicht jeden Tag eine Party steigen soll. So ist jede Reise höchst individuell.

Alles Liebe, Du schöner Mensch.

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4 Gedanken zu “Kreativität zwischen Handwerk und Inspiration

  1. Andrea

    Wie wunderschön leicht du über dieses Thema schreibst…..Wie spürbar Liebe in Deinem Text ist. Ich erleb deine Texte immer als Kunst und für mich sind sie immer wieder eine Erinnerung, die Leichtigkeit einzuladen. Danke.

  2. Guenaelle

    Liebe Elisabeth,
    deine Artikel zur “Kreativität” sind sehr inspirierend und beruhigend zugleich. Es wird immer viel Wert auf das “Ergebnis” gelegt, das kann sehr einengend sein. Dass üben und hinfallen auch dazu gehören, das höre ich weniger. Hingabe und Handwerk, das muss ich mir immer wieder sagen und merke, dass ich wieder in Bewegung komme. Deine Worte ermutigen mich sehr, vielen Dank! Ich freue mich sehr auf deinen nächsten Beitrag.
    Liebe Grüße aus Berlin
    Gena

    1. Elisabeth Post author

      Liebe Gena, danke für Deine lieben Worte. Ja, Hingabe und Handwerk. Ich finde das so schön. Wir sind limitiert und grenzenlos. Wir sind verletzlich und über alle Maßen kraftvoll. Ich finde, wenn wir beides integrieren, entsteht soviel Schönes. Dafür bin ich immer wieder so dankbar. Alles Liebe nach Berlin!

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