Laura’s Frage: Was mache ich, wenn die Sinnfrage zur inneren Erwartung wird? Wie stellt man das Vertrauen wieder her?

Heute beginne ich eine neue Blogkategorie. Du kannst mir Fragen stellen, die Dich momentan bewegen, und ich behandle sie hier im Blog.

Wenn die Sinnfrage zur inneren Erwartung wird, und Du das Gefühl hast, Vertrauen in Dich selbst wieder herstellen zu müssen, dann empfindest Du wahrscheinlich eine (unangenehme) Lücke zwischen Deiner jetzigen Situation, und dem was aus Deiner Sicht sein sollte.

Erwartungen und Realität sind im Moment nicht in Übereinstimmung. Du erwartest vielleicht von Dir einen Job zu machen, der Dir mehr Sinnempfinden gibt. Wahrscheinlich willst Du Deine Talente und Deine Zeit dort einsetzen, wo Du am meisten unterstützen kannst.

Die Frage nach Sinn an sich, erfüllt bereits eine Funktion. Denn sie würdigt, dass wir immer eine Wahl treffen können, dass wir die Freiheit haben zu entscheiden, wo, wie und wozu, wir unsere Talente einsetzen. Sie fordert uns heraus, in die Selbstverantwortung zu gehen. Sinn ist ein reflexiver Begriff, durch den wir lernen über unsere Tätigkeiten nachzudenken. Du setzt Dich gedanklich auseinander, und wieder zusammen, findest neue Perspektiven, forderst Dich heraus und kommst Dir dadurch näher. Anerkenne diese Auseinandersetzung.

Schritt 1: Würdige Deinen Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, und den Prozess der Auseinandersetzung, der dieser Absicht folgt.

Du orientierst Deine Entscheidungen und Dein Handeln an der Absicht, etwas zu tun, dass für Dich (und vielleicht andere) sinnvoll ist. Und das ist im Moment schon mehr als genug. Begreife Deine Erwartung mehr im Sinne einer Vision, die Dir den Weg weist. Erwartungen kämpfen mit der Realität. Ich erwarte etwas, das (noch) nicht da ist. Das erzeugt eher Stress. Eine Vision ist eine Möglichkeit in der Zukunft, die Dich inspiriert jetzt zu handeln. Sie ermöglicht Dir Dein Leben so auszurichten, wie Du es Dir wünschst.

Stell Dir vor, Du willst eine Reise nach Istanbul unternehmen. Du buchst das Ticket und das Hotel, packst Deine Koffer, nimmst Dir Urlaub und machst Dir einen Plan, was Du in Istanbul alles anschauen willst. Es wäre verrückt, beim Kofferpacken, schon die Erwartung zu haben, in Istanbul zu sein. Genauso machst Du es mit Deiner Absicht, etwas Sinnvolles zu tun. Du buchst Dir das Ticket „sinnvolle Arbeit“, und dann vergnügst Du Dich mit den Reisevorbereitungen.

Du fragst: „was mache ich, wenn die Sinnfrage zur inneren Erwartung wird…“ Je unkonkreter und unpersönlicher, die Themen sind mit denen Du Dich beschäftigst, desto schwieriger sind sie für Dich zu lösen. Wenn Du mit Problemen oder Herausforderungen konfrontiert bist, gilt immer: Definiere sie so konkret und spezifisch, wie es Dir möglich ist. Wenn Du zum Arzt gehst und sagst: „Mir tut etwas weh. Helfen Sie mir!“, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Dir helfen kann gering.

Mach’ also die Sinnfrage zu Deiner ganz persönlichen Frage nach dem, was für Dich sinnvoll ist. Jede Frage sucht ihre Antwort. Formulierst Du die Frage persönlich, findest Du eine Antwort, die Dir nah sein wird. Persönliche Antworten, berühren und motivieren uns.

Schritt 2: Mach die Sinnfrage zu Deiner ganz persönlichen Frage:

  • Wie fühlt sich Sinn für mich an? Welche Gefühle habe ich, wenn ich etwas Sinnvolles tue?
  • Bei welchen Tätigkeiten, empfinde ich Sinn?
  • Welche Themen empfinde ich als sinnvoll?
  • Was erfüllt mich mit Sinn? Was berührt und bewegt mich?
  • Wo passen meine Talente mit den Bedürfnissen der Welt zusammen?
  • Was soll sich durch meine Arbeit verändern?

Überprüfe, ob Du nicht schon Vieles von dem, was Du als sinnvoll erachtest lebst. Wenn Du jetzt also Deine Antworten anschaust, mache Dir bewusst, in welchen Bereichen, und auf welchen vielfältigen Arten und Weisen, Du Sinn schon erlebst, und für Dich wahrscheinlich machst! Und wieder…anerkenne all die vielfältigen Momente, in denen Du erfüllt bist.

Schritt 3: Verwandle Deine Gedanken in Handlungen!

Dieser Punkt ist besonders wichtig. Wenn Du z.B. darauf kommst, dass es für Dich sinnstiftend ist, Menschen zu unterstützen, tu es jetzt. Warte nicht, bis Du ausgebildete Coach bist, in einer NGO arbeitest, Führungsverantwortung hast etc. Frage Dich, wen Du auf welche Art und Weise, jetzt unterstützen möchtest. Vielleicht kommst Du sogar darauf, dass Du selbst es bist. Und dann tu es. Wenn Du es für sinnvoll erachtest, etwas für die Umwelt zu tun, beginne mit dem ersten Schritt. Dann stellt sich Vertrauen wieder her. Es ist wichtig ins Handeln zu kommen. Mach’ und erfahre möglichst viel von dem, was für Dich sinnvoll ist. Darum bist Du schließlich hier.

Vielleicht fragst Du Dich, ob es, im Angesicht all der Herausforderungen unserer Welt, genug ist was Du tust. Wenn Du Dir diese Frage stellst, dann schau genau hin, was momentan dein Einflussbereich ist, und in diesen bringst Du Dich voll ein.

Schritt 4: Was treibt Dich noch an?

Mach Deinen Blick wieder weicher. Du wünschst Dir mit Deiner Arbeit einen positiven Unterschied zu machen. Was willst Du noch? Wenn wir etwas wirklich wollen, neigen wir manchmal dazu, uns zu versteifen. Dann wird die Absicht, viel Geld zu verdienen, plötzlich zum einzigen Motor. Oder der Wunsch zu unterstützen und zu verändern, wird zur einzigen Brille mit der wir uns, und die Welt beobachten. Aber das Leben ist so vielfältig – und Du bist es auch! Was willst Du noch? Glücklich sein? Frei? Verbunden? Welche Qualitäten sind jetzt mindestens genauso wichtig, wie der Wunsch nach Sinn? Wenn wir auf etwas fokussieren, machen wir es manchmal größer als es ist. Rücke die Frage nach Sinn, wieder ins richtige Licht.

Manchmal denke ich: „Ich mache nicht genug. Ich sollte schneller sein, größere Bildungsprogramme aufsetzen, mehr wirken….“ Mich setzt die Sinnfrage dann unter Druck. Sie will viel mehr von mir, als ich im Moment geben kann. Ich mache mir dann wieder bewusst, was ich noch in meinem Leben erfahren möchte. Ich möchte auch Zeit mit meiner Familie verbringen. Für mich sein. Quatsch machen. Luxus genießen. Zeichnen. Ich möchte nicht, dass mein Leben lediglich daraus besteht, Sinn zu stiften. Ich bin mehr. Das Leben ist so viel mehr. Einen positiven Unterschied in der Welt zu machen, wird dann plötzlich genauso erfüllend, wie ein kaltes Bier am Abend zu trinken, mit meiner Tochter zu zeichnen oder mit meiner Familie und meinen Freunden zu kochen.

Und eins noch: Nimm die Bewertung aus dem Thema Sinn. Es kann auch der Sinn Deines Lebens sein, möglichst viele wunderbare Momente zu erleben, oder so viele Bücher zu lesen, wie es irgendwie geht…Und das macht auch Sinn.

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