elisabeth hahnke coaching und training

Septemberwort: Annehmen

Mantra für den Monat September: Ich mach‘ es heute anders als sonst und lass mich wie ich bin.

Das Septemberwort ist Annehmen. Es ist ein vielschichtiges Wort und wird erst in der Praxis lebendig. Deswegen finde ich es gar nicht einfach, darüber zu schreiben.
Wie kann ich mich vollkommen annehmen, wenn ich doch am allerbesten weiß, dass ich weder eine Heilige, noch ein Rock Star bin. Ich komme ja noch nicht einmal an mein virtuelles Ich heran. Und wozu soll ich überhaupt etwas annehmen, was ich doch sowieso verändern möchte?
Ich glaube es ist in Wirklichkeit ganz einfach. Alles was Du annimmst, kannst Du hingeben. Hingeben im zweifachen Sinn. Du gibst hin, was Du nicht mehr möchtest und was sich wandeln darf. Und Du gibt Deine Gaben hin, teilst Deine Talente mit anderen. An-nehmen und Hin-gabe sind wie zwei Seiten derselben Medaille. Denn nur das, was ich wirklich angenommen habe und in beiden Händen halte, kann ich hingeben und damit Veränderung ermöglichen.


Überall da, wo wir im Widerstand sind und laut „NEIN“ rufen, binden wir unsere Energie im Abwehren einer uns unangenehmen Wahrheit. Wenn wir los-lassen und dem Widerspenstigen in uns begegnen, ist Raum für Wandel möglich. Wenn Du Dir das Knie aufschlägst und schreist: „Nein, nein, nein! Das ist nie passiert. Mein Knie ist gesund!“, dann wirst Du nicht auf die Idee kommen, Dir die Wunde anzuschauen, sie zu säubern und ein Pflaster drauf zu kleben.
Es gibt viele Verbotsschilder in unseren Köpfen und aufgeschlagene, unbehandelte Knie. Es gibt viele innere Verneinungen, Stimmen die uns sagen, was wir können und was nicht. Was wir tun und lassen sollten und wie wir zu sein haben oder wie auch nicht. Diese Verbote tun weh, denn sie stammen aus einer inneren Verneinung. Wir selbst sagen „nein“ zu uns, zu unserer Einzigartigkeit. Es ist verfuchst. Wir wollen alle einzigartig sein, aber ich kenne nur wenige Menschen, die ihre Besonderheit zu lassen und sich genug vertrauen, sich selbst zu leben.


Überall da, wo Du Dich verneinst, verpasst Du eine Chance ganz zu werden. To be holy is to be whole. Heil sein bedeutet, ganz werden. Deswegen ist Annehmen der erste Schritt zu Heilung und kommt noch vor der Hingabe. Und auch das beobachte ich: Das wir so gerne geben und dienen und unsere Talente für das große Ganze einsetzen wollen. Ja, und das ist genau gut! Wir sollten wirklich mal gemeinsam aus den Puschen kommen. Aber um zu geben, musst Du zuerst einmal annehmen. Annehmen, dass in Dir etwas ist, dass teilenswert ist. Annehmen, dass Du frei bist und ungehindert, Deiner Liebe und Deinem Potential Ausdruck verleihen darfst. Annehmen, dass Du ein vollkommen unvollkommener Mensch bist – würdevoll, egal was Du tust und immer in Entwicklung, welche Höhen Du auch immer erreichen magst.
Annehmen, was ist. Hingeben, was sich wandeln will und was Du teilen möchtest.
Und es ist so leicht geschrieben. Aber hast Du mal probiert, jemanden anderen in ihren schwachen, irrwitzigen oder hysterischen Momenten vollkommen anzunehmen – wertfrei? Welche Erfahrungen hast Du damit, Dich anzunehmen, wenn Deine heimlichen Gedankenmonster, durch die Hintertür Deines schlafenden Herzens krabbeln? Wie funktioniert es eine Situation anzunehmen, in der Du Dich sehr verletzt fühlst? Und kannst Du unterscheiden, ob Du etwas annimmst oder Dich in Deiner Komfortzone gemütlich machst?


Annehmen ist eine hohe Kunst. Es erfordert zärtlich und genau mit sich zu werden – nicht nur in den hübschen Momenten. Ich finde es nicht leicht. Aber ich übe. Und ich bin dieser Praxis sehr verbunden. Hingebungsvoll übe ich mich im Annehmen, was ist. Einfach da ich annehmen kann, dass es eh schon da ist.

Und da Annehmen auch Empfangen bedeutet, können wir davon ausgehen, dass jeder Moment das Potential innehat, sich uns zu hinzugeben. Auch das beobachte ich immer wieder: Es ist für viele gar nicht so einfach, ihren Rödel-Modus einmal zurück zu drehen und auf annehmen, im Sinne von „bekommen/erhalten“ zu schalten. Annehmen ist eine Seins-Qualität. Sie erfordert kein Tun, sondern sie braucht Dich „hier und jetzt, ohne Beurteilung“.

Nehmen wir doch einfach mal an, dass sich Dein Leben Dir hingeben will und Du es vollkommen annehmen lernen darfst. Mit allen Facetten. Vielleicht ist es eine gute Übung für die kommenden Tage, den Fokus darauf zu legen, was Dein Leben Dir schenkt – an Möglichkeiten Dir näher zu kommen, zu heilen, Dich zu erfüllen, einfach Spaß zu haben und Deine Zeit mit Tätigkeiten zu verbringen, die Du mit Liebe tust…
Und nehmen wir doch auch mal an, dass es sich lohnt zu lernen „JA“ zu sich zu meinen. Und „JA“ zu sich zu leben. Es ist alles andere als egoistisch. Denn da wo Du Dich noch verneinst, lauert auch Deine Verneinung und Kritik anderen Menschen gegenüber. Wenn Du lernst, Dich in launischen Momenten bei Laune zu halten, dann kannst Du das auch für andere geben. Alles was Du für Dich annehmen, eine Zeit tragen und wandeln kannst, kannst Du auch für andere. Du tust es nicht für sie, aber Du hältst den wertfreien Raum dafür, dass sie sich ganz machen können.


Je mehr Du Dir begegnen lernst, desto näher kannst Du anderen sein. Du kennst die Gedanken, die zu Ambivalenzen führen, weil Du sie in Dir angenommen und hingeben hast. Du weißt, wieviel Du geben kannst, weil Du alles angenommen hast, was Dein Leben Dir vor die Füße gespült hat. Da Du die Gefühle kennst, die Dir vorgaukeln, dass Du einsam und getrennt bist, kannst Du jemanden erkennen, der sich im Moment so fühlt. Und weil Du beobachtet hast, dass Gefühle flüchtig sind und sich natürlicherweise wandeln, wenn man sie zu sich nimmt und dann loslässt, kannst Du jemanden zeigen, wie es geht sich von den inneren Gespenstern zu befreien.
Indem Du Dich annimmst, wirst Du mehr. Weiter. Größer. Komplexer. Annehmen heißt nicht, etwas gut zu heißen. Es bedeutet nur, dass Du das was eh schon da ist, in Deine Hände nimmst und dann entscheidest, wie Du damit umgehen willst. Indem Sinne ist Annehmen auch ein Weg, um mehr in Deine Verantwortung und Selbstwirksamkeit zu kommen. Und die brauchst Du, wenn Du hier Wunderschönes gestalten willst – wovon ich mal ausgehe.

Kopf hoch, Herz offen und Rock‘n Roll!

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2 Gedanken zu “Septemberwort: Annehmen

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