elisabeth hahnke coach und trainerin

Sit down and relax

Am Wochenende war ich auf einer Yogalehrerfortbildung. Am Ende des ersten Tages sagte unsere Ausbildnerin völlig unerwartet: „Und jetzt… meditieren wir zum Abschluss 45 Minuten in Stille. Richtet Euren Sitz ein, denn wir sitzen ohne Bewegung.“

Die Angst verließ ihre kuschlige Höhle in der Amygdala meines Gehirns und kam blitzschnell hervorgeschossen: „Was? 45 Minuten in Stille sitzen? Aaaaaah! Das habe ich noch nie gemacht, das ist zu lang! Das geht nicht! Ich kann nicht, ich mag nicht!“ Zum Glück weiß ich aus meiner Meditationspraxis, dass sich das Zeitempfinden komplett anders anspüren kann, wenn man in einen anderen Bewusstseinszustand tritt… Wenn

Also nahm ich Angst in die Arme und beruhigte sie: „Sweetheart, was soll schon passieren. Es kann sein, dass sich diese 45 Minuten, wie ein wunderschöner Augenblick anfühlen.“ „Wie ein ewiger Augenblick, meinst Du wohl, ein EWIGER!“ Angst zitterte in meinen Armen: „Baby, stell Dich nicht so an“, ich wurde streng, „wenn dieser Körper beginnt zu schmerzen, dann… RELAX. Und wenn dieser Geist beginnt zu spinnen, dann… RELAX. Und wenn die Emotionen durcheinanderwirbeln, dann… RELAX.“

Ich schickte Angst zurück in ihre Höle, richtete mich ein, schloss die Augen und meditierte.
Jedes Mal, wenn mich meine Beine und Füße aus meiner weiten Wahrnehmung in den Schmerz hineinzogen, sagte ich innerlich: „Ja, jetzt tut es weh. Ja. Relax. Relax in den Schmerz, relax in den Widerstand.“ Genau in dem Moment, in dem ich mich in meinen eigenen geistigen und körperlichen Widerstand relaxte, verschwand der Schmerz augenblicklich und es wurde wieder still.
Nach 45 Minuten öffnete ich meine Augen, völlig erfrischt und wach.

Es sind unsere inneren Verneinungen, die uns so weh tun. Nein zu den 45 Minuten. Nein zu den eingeschlafenen Beinen. Nein zu den verspannten Schultern. Nein zu dieser blöden Übung. Diese vielen Verneinungen machen uns eng. Wir verkrampfen und sind nicht mehr im Fluss. Der Fluss fließt und wir halten uns an einem glitschigen Felsbrocken mit all unserer Kraft fest. NEIN, ICH WILL NICHT MITFLIEßEN! Das ist es was Leid verursacht.


Wenn wir lernen JA zu diesem einen Moment zu sagen, dann kommen wir vollkommen an. Ja, zur körperlichen, geistigen und seelischen Verfassung. Einfach ja. Weil es eh schon da ist.
Die Realität schaut uns sowieso frech ins Gesicht. Da hilft es nicht viel, wegzuschauen und „nein“ zu flüstern. Wenn wir JA sagen, dann sehen und verstehen wir, was im Moment dran ist und wir können – als GestalterInnen, die wir sind – der Realität eine rote Nase aufsetzen, ihr die Lippen anmalen und die Haare richten. Erst wenn wir ein ehrliches JA zum jetzigen Augenblick verspüren, können wir sehen, was in unserer Realität bleiben darf und was sich verändern möchte.

Nimm ein paar tiefe Atemzüge, halte an und inne…
Dann…
Relax in diesen Moment.
Relax in Deine wunderschöne Unvollkommenheit.
Relax in Deine erstaunliche Vollkommenheit.
Relax in Deine Narben, die so schöne Wege auf Deiner Seelenhaut zeichnen.
Relax in Deine Freude.
Relax in Deine Lebendigkeit.
Relax in Deine Widerstände – und ah, wie leicht sie sich lösen.
Relax in Dein Jetzt.
Relax in Dein NEIN – und wow, wie es sich plötzlich zu einem JA verwandelt.
Relax in Deine Veränderung.
Relax in Dein Sein.
Relax in das Dir Wesentliche.

Und wenn Du relaxed bist – das heißt, ohne Widerstand, vollkommen klar, präsent mit diesem Moment – dann rock on!

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4 Gedanken zu “Sit down and relax

  1. Inesa

    Wow was für Erfahrung liebe Elisabeth. Es ist schön die Zeilen zu lesen und mitzuempfinden. Bei meiner nächsten 45 min Meditation werde ich mit Freude an das Juli Wort denken. Relax 🙂
    DANKE.
    Herzlich Grüße
    Inesa

    1. Elisabeth Post author

      Liebe Inesa, ja, in die Meditation hinein relaxen. Gut, ne? 🙂 Mir taugt das total. Ich schick Dir ganz liebe Grüße!

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