Why Vision matters

Die Form muss der Vision folgen und zwar konsequent. Jeder Mensch braucht eine Vision von sich selbst – und auch jede regelmäßige Zusammenkunft von Menschen, wie Organisationen, Familien oder Netzwerke. Sonst sind wir dazu verdammt zu reagieren. Visionen ermöglichen es uns pro-aktiv zu gestalten und mit dem Leben und anderen Menschen zu kooperieren. Viele Menschen fühlen sich die meiste Zeit ihres Lebens als Spielball der Umstände, oder sitzen der Illusion auf, sie würden ihren freien Willen benutzen, obwohl sie lediglich innerhalb längst bestehender Rahmen agieren. Mit dem Leben zu kooperieren, weil man weiß, was man will, ist etwas absolut anderes. Es bedeutet sich seiner eigenen Mächtigkeit bewusst zu sein, in die Eigenverantwortung zu gehen, und sich immer wieder darauf auszurichten, wer man ist. Um mich entwickeln zu können, muss ich wissen wer ich bin und was ich entwickeln will – deswegen ist es gut eine Vision zu haben. Sie ist ein höheres Ordnungsprinzip, an dem man sich orientieren möchte.
Und das Beste daran: Visionen kann man erschaffen! Wenn ich nicht weiß wohin ich will, dann kann ich mich auch nicht ausrichten und fliege wie ein Blatt im Wind – mal hier hin, und mal dorthin. Auch das hat seine Berechtigung, gibt es doch manchmal Phasen im Leben, in denen man sich treiben lassen möchte, weil man verschiedene Eindrücke erhalten will. Es geht nicht darum, ob Geradlinigkeit oder Passivität besser ist. Es geht um die bewusste Wahl. Es kann sein, dass „sich treiben lassen“ genau das richtige für jemanden ist, auch über eine Phase hinaus, aber dann liegt auch darin eine bewusste Entscheidung, und wir sind auf dieses „Treiben“ ausgerichtet. Dahinter steht auch eine Vision – vielleicht die, möglichst viele überraschende Situationen zu erleben. Doch wer sich unbewusst treiben lässt, und wer unbewusst einer Vision folgt, übernimmt keine Verantwortung für den Prozess und dessen Resultate.

Visionen kreieren ist wie Kunst. Der Künstler hat einen Einfall und lässt das Bild entstehen. Aus einer Idee wird eine Welt.

Visionen zu kreieren hat zuallererst mit sich Einlassen und innerer Führung zu tun, also weich werden und zulassen. Eine Vision, die nicht von innen kommt ist nur irgendein Ziel unter vielen das nicht wirklich einen Unterschied macht. Weil eine Vision gelebt werden muss, um wahr zu werden, muss die Vision zutiefst mit dem Menschen verbunden sein, der sie formuliert.
Ich habe den Eindruck, dass Visionen oft als in die Zukunft geworfene Wunschvorstellungen verstanden werden. Das ist kraftlos. Vielmehr ist eine Vision das vorweggenommene Ergebnis einer Möglichkeit, eines innewohnenden Potentials das sich entfalten will, und hartnäckig und bestimmt an die eigene Begrenztheit klopft.
Sich auf eine Vision ausrichten und sie zu leben verlangt ein hohes committment und eine tief verankerte Verantwortung für sich selbst. Ich meine, schaue mal nach außen. Geh mal zum Fenster oder ins Internet, in das Großraumbüro deiner Abteilung oder in den Hörsaal deiner Universität. Da ist so viel das deine Aufmerksamkeit will – unaufhörlich! Wie leicht kann man sich in all dem verlieren? In den Fernsehprogrammen, in den schönen Kleidern auf Zalando, in den Krisen der Freundin. Wenn du nicht Verantwortung für dich selbst übernimmst, in dem du deiner Vision folgst, bist du im wahrsten Sinne des Wortes verloren.
Viele Menschen haben trotzdem keine Vision. Das bringt uns ja auch keiner bei. Manche Menschen haben gar kein Bild von ihren Möglichkeiten, das heißt auch, dass sie keine Wahl treffen können, die sie berühren würde. Es sind unsere Möglichkeiten, die uns berühren und uns in Resonanz bringen. Wer eine Vision hat und nicht zu Tränen gerührt ist, oder dieses Zirpen im Bauch spürt, das Kribbeln in den Händen oder das Funkeln in den Augen – der hat sie noch nicht.
Eine junge Frau, die primär die Erfahrung in ihrem Leben machen möchte, Mutter zu sein, berührt die Vorstellung davon schwanger zu sein und ihre Kinder zu wiegen, mit ihnen zu lachen und ihnen zu helfen ihre eigenen Konflikte zu lösen. Sie weiß von sich selbst, dass ihr größtes Potential ist ihren Kindern ins Leben zu helfen und dass dies ihr größtes Wachstumsfeld für ihre eigene Entwicklung ist. Wenn sie darauf nicht hört, lebt sie an ihrem Leben vorbei – weil zufälligerweise der Zeitgeist gerade etwas anderes verlangt.

Visionen sind etwas sehr Persönliches, eng verwoben mit dem eigenen Wesenskern, mit dem Programm, mit dem man auf die Welt gekommen ist, und zutiefst verbunden mit den Dingen und Themen die uns schon in der Kindheit angezogen haben

– im Falle das wir das große Glück hatten, dass man uns als Kinder liebevoll und aufmerksam in Ruhe gelassen hat.
Noch mal, weil es so wichtig ist: Visionen sind nichts Luftiges, Abgehobenes und sie sind auch nichts Ehrgeiziges oder Strenges. Sie sind einfach der natürliche Ausdruck deines Potentials – und deswegen gibt es so viele Visionen, wie es Menschen gibt. Deshalb gehört eine riesengroße Portion Mut dazu, seiner Vision ins Auge zu sehen und zu erklären: Ich bin dabei – auch wenn wir scheitern können! Verstehst du? Das ist wie die Beziehung zum eigenen Kind oder zum Partner. Das fundamentale committment heißt: Ich bin dabei – auch wenn wir scheitern können. Und ich gebe mein Bestes – und noch mehr. Merkst du den Unterschied? Das ist so pro-aktiv, wirksam und gestaltend. Da bewegt sich was. Ist doch witzig oder? Das sich durch committment und Verantwortung etwas bewegt und nicht durch Flexibilität und Kontingenz. Goethe hat wohl mal gesagt: „Die Festlegung ist der Moment, der Magisches bewirkt.“


 

Lust zu teilen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.